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– Quelle: http://www.mz-web.de/24470602 ©2017

Autor: Stefanie Greiner       

29.07.2016

Am Donnerstag sind die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in die ehemalige Schule in Klepzig eingezogen.    

Foto:   Heiko Rebsch

Köthen -

Klepzig hat seit Donnerstag 35 Einwohner mehr. Die unbegleiteten minderjährigen Ausländer, kurz Uma, sind in die ehemalige Schule auf dem Gelände der Beschäftigungsgesellschaft BVIK eingezogen. Sie sind 14 bis 18 Jahre alt und kommen unter anderem aus Afghanistan, Äthiopien, Somalia und Syrien.

In letzter Zeit ist hitzig darüber diskutiert worden, dass junge Flüchtlinge in den Köthener Ortsteil ziehen sollen. Die MZ beantwortet einige Fragen dazu.

Warum werden die Jugendlichen in einer Gemeinschaftsunterkunft untergebracht und nicht in kleineren Wohneinheiten?

Der Begriff „Gemeinschaftsunterkunft“ ist nicht ganz richtig. „Jugendheim“ muss es vielmehr heißen. „BVIK-Jugendwohncamp“ nennt Geschäftsführer Ulrich Heller das Projekt. Die Jugendlichen leben in Wohngruppen. Sechs teilen sich eine Wohnung, jeweils zwei ein Zimmer. In jeder Wohnung gibt es Bad und Küche.

Das Landesjugendamt befürwortet das Jugendwohncamp. „Im Sinne der Jugendlichen, die sich schon kannten, haben wir dem zugestimmt“, teilt die Pressestelle des Landesverwaltungsamtes Sachsen-Anhalt mit. Die jungen Flüchtlinge zu trennen, macht auch BVIK-Mitarbeiter Uwe Raubaum deutlich, wäre unglücklich gewesen. „Dann fängt der ganze Prozess von vorn an“, sagt er. Die Jugendlichen hätten sich an ihre Bezugspersonen gewöhnt. Und aneinander.

Können die Jugendlichen individuell betreut werden?

Ja, versichert Ulrich Heller. „Wir haben ein doppeltes Erziehersystem“, sagt er. Jede Wohngruppe habe ihren eigenen Wohngruppenerzieher. Hinzu würden Bezugserzieher kommen, die sich ganz gezielt um ihnen zugewiesene Jugendliche kümmern würden. „Das größte Leben findet in der Wohngruppe statt“, erläutert Ulrich Heller.

Wer kümmert sich um die Jugendlichen?

Insgesamt 30 Mitarbeiter. Die meisten davon sind Erzieher und Pädagogen. „Das Landesjugendamt hat deren Eignung überprüft“, teilt die Pressestelle des Landesverwaltungsamtes mit. „Die Betreuer haben in der Regel eine sozialpädagogische Qualifikation beziehungsweise verfügen über Erfahrungen und Kompetenzen, mit denen sie sich für die Betreuung der Jugendlichen qualifizieren.“ Erzieher und Pädagogen werden außerdem von BVIK-Mitarbeitern unterstützt, die Ulrich Heller für besonders geeignet hält. Auch deren Eignung ist überprüft worden.

Ein Drittel der Angestellten war bereits vorher für die BVIK tätig. Es seien sehr engagierte und professionelle Mitarbeiter, lobt der BVIK-Geschäftsführer. Zwei Drittel der jetzigen Mitarbeiter wurden neu angestellt. „Wir sind auch noch weiter auf der Suche“, merkt Ulrich Heller an. Nach Erziehern und Diplomsozialarbeitern. Zu den 30 Mitarbeitern kommen Lehrer, die die Sprache der Jugendlichen sprechen, arabisch zum Beispiel. Am Montag fängt außerdem eine Psychologin an. Sie soll den jungen Flüchtlingen dabei helfen, ihr Trauma zu bewältigen, sagt der BVIK-Geschäftsführer. Die Psychologin soll darüber hinaus die Erzieher beraten und weiterbilden.

Wie werden die jungen Flüchtlinge beschäftigt?

Die meisten Jugendlichen gehen zur Schule. Sie besuchen die Sekundarschule „An der Rüsternbreite“ in Köthen beziehungsweise die Berufsbildenden Schulen in Bitterfeld. Uwe Raubaum arbeitet eng mit den Lehrern zusammen. Das Team der BVIK will die jungen Flüchtlinge fördern und bei den Hausaufgaben unterstützen. „Die Jugendlichen, die noch nicht zur Schule gehen, werden von uns unterrichtet“, sagt Uwe Raubaum. Ansonsten versuchen die BVIK-Mitarbeiter, ihnen einen normalen Alltag zu ermöglichen. „Wir bieten verschiedene Arbeitsgemeinschaften an“, sagt Heller. Eine Internet-AG zum Beispiel. Oder Deutsch-Stunden. Die Jugendlichen sollen sich zudem musikalisch, kreativ und handwerklich ausprobieren. Im Keller der Unterkunft gibt es eine Fahrradwerkstatt.

Sport nimmt auch viel Raum ein. Ein Teil der Jugendlichen spielt Fußball beim PSV 05 Köthen in Porst. BVIK-Prokurist Taoufiq Elmourabiti hat das möglich gemacht. Der Mann aus Marokko hat selbst jahrelang Fußball gespielt und ist noch immer Mitglied beim PSV 05. Er erzählt stolz, dass sich auch andere Vereine für die Jugendlichen interessieren würden.

Eines ist der BVIK besonders wichtig: Die Flüchtlinge sollen wieder ein Ziel vor Augen haben. „Lebensperspektive plus“ nennt sich ihr Programm. „Sie müssen in einen Rhythmus reinkommen, damit sie nicht mehr bespaßt werden müssen, sondern eigene Interessen verfolgen“, sagt Uwe Raubaum.

Einige Anwohner haben im Vorfeld ihre Bedenken geäußert. Wie soll ihnen die Angst vor den neuen Nachbarn genommen werden?

„Die Klepziger dürfen sich nicht verrückt machen lassen“, macht Uwe Raubaum deutlich. Sie sollten erst einmal abwarten. Bei Problemen könnten sich die Anwohner immer noch an die BVIK wenden. Der Mitarbeiter fragt sich, woher die Ängste kommen. Schließlich dürften die wenigsten Klepziger, vermutet er, bislang mit jungen Flüchtlingen zu tun gehabt haben. „Es sind junge Leute, die im Grunde genommen nicht anders sind als andere.“ Mit einem Unterschied: Sie hätten Dinge erlebt, die niemand seinen eigenen Kindern wünschen würde.

Ulrich Heller und Uwe Raubaum würden sich freuen, wenn die Klepziger ihren neuen Nachbarn offener gegenüberstehen. „Man kann mit den Jungs reden“, sagt Uwe Raubaum. Sie seien interessiert und talentiert. Er merkt an, dass es in Klepzig viele kleine Firmen gibt. „Man kann ihnen das doch einfach mal zeigen“, schlägt er vor.

Ulrich Heller hebt eines hervor: „Wir haben auch viel Zuspruch von den Klepzigern für unser Projekt.“ Nicht jeder habe etwas gegen die jungen Flüchtlinge. Im August will Ulrich Heller interessierte Bürger dazu einladen, die neuen Bewohner der ehemaligen Schule einfach mal kennenzulernen. Ein genauer Termin steht noch nicht fest. (mz)

Was sagt Ulrich Heller zu den Vorwürfen einiger Bürger, er würde mit den jungen Flüchtlingen nur Geld verdienen wollen?

Er würde sich um die Jugendlichen kümmern, weil der Bedarf da sei, macht Ulrich Heller deutlich. „Wir haben einen Auftrag“, betont er. Den Auftrag, sich um die Flüchtlinge zu kümmern.

Eines möchte er in diesem Zusammenhang klarstellen: „Es ist der gleiche Kostensatz, der für deutsche Kinderheime gilt. Nicht mehr und nicht weniger.“ Für Ausländer gebe es keinen Bonus. Auf Nachfrage der MZ teilt der Landkreis Anhalt-Bitterfeld mit: „Die Kosten der Betreuung eines Umas richten sich nach dem jeweiligen individuellen Bedarf und können sehr unterschiedlich sein.“

Was passiert mit der Unterkunft in der Rüsternbreite, in der die jungen Flüchtlinge vor ihrem Umzug nach Klepzig untergebracht waren?

Die Mitarbeiter der BVIK werden nach eigenen Angaben wohl noch zwei Wochen brauchen, bis alles ausgeräumt ist. Danach steht das ehemalige Gymnasium leer. „Die Schule ist und bleibt Ausweichstandort für die Sekundarschule Völkerfreundschaft, wenn deren Sanierung ansteht“, teilt der Landkreis mit. (mz)

– Quelle: http://www.mz-web.de/24290640 ©2017

Autor:  Stefanie Greiner

24.06.2016

Rund 100 Klepziger nahmen an der Informationsveranstaltung auf dem Gelände der BVIK teil. Im linken und mittleren Teil der ehemaligen Schule, in der seit einigen Jahren sozial schwache Menschen leben, sollen minderjährige Flüchtlinge einziehen. Den Klepzigern gefällt das gar nicht. Sie fühlen sich überrumpelt, hätten gern nicht erst aus der Zeitung von dem Vorhaben erfahren. Neben BVIK-Geschäftsführer Ulrich Heller beantworteten auch Vertreter der Stadt und des Landkreises ihre Fragen.

Foto: Heiko Rebsch

Köthen -

Sie wollten ihre Fragen loswerden. Ihre Fragen zur Unterbringung minderjähriger Flüchtlinge in Klepzig. Die Informationsveranstaltung nutzten einige der rund 100 Anwohner am Donnerstagabend aber auch, um ihrem Ärger Luft zu machen.

Seitdem bekanntgeworden ist, dass die Beschäftigungsgesellschaft BVIK auf ihrem Gelände junge Flüchtlinge unterbringen will, fühlen sich die Klepziger überrumpelt. „Sie hätten doch gleich die Karten auf den Tisch legen können“, sagte Ernst Nawrath.

An dieser Stelle sollen einige Fragen beantwortet werden.

Ziehen die minderjährigen Flüchtlinge nach Klepzig?

Die Antwort von Ulrich Heller war deutlich: „Wir werden dieses Konzept in Klepzig umsetzen.“ Ganz so einfach scheint das aber nicht zu sein. Denn der BVIK-Geschäftsführer braucht dafür eine Genehmigung. Die hängt zum einen vom Landesjugendamt ab. Das muss sein Okay geben. Zum anderen muss Ulrich Heller nachweisen, dass aus Brandschutzsicht alles in Ordnung ist. „Erst wenn die Einrichtung von allen Fachämtern genehmigt ist, gibt es die Umzüge“, betonte Peter Grimm, Jugendamtsleiter des Landkreises Anhalt-Bitterfeld. Ulrich Heller hofft, dass es bis zum 7. Juli so weit ist.

Wie viele Jugendliche sollen untergebracht werden?

35 bis 40. Diese Zahl wunderte Antje Beck. Die Klepzigerin zitierte einen Absatz der Richtlinien für Heimkinder des Landes. Darin steht, dass Heime für Kinder und Jugendliche nicht mehr als 30 Plätze haben sollten. „Diese Richtlinie ist nicht in Kraft getreten“, sagte Peter Grimm. Im Gespräch mit Antje Beck merkte er nach der Veranstaltung an, dass sich dennoch oft daran orientiert werde. Die MZ wollte dazu am Freitag mit dem Jugendamtsleiter sprechen, hat ihn allerdings nicht erreicht.

Warum bleiben die Flüchtlinge nicht in der Schule in der Rüsternbreite?

Das ehemalige Gymnasium war als Notunterkunft gedacht. „Die Schule wird niemals eine Genehmigung als Kinderheim bekommen“, machte Peter Grimm deutlich. Sie entspreche nicht der Norm, die in Deutschland für Kinderheime gelte, und habe deshalb nur eine Ausnahmegenehmigung. Aber es gibt noch einen Grund. „Ich möchte die Rüsternbreite wieder frei haben, um die Völkerfreundschaft sanieren zu können“, betonte Landrat Uwe Schulze (CDU).

Warum können die Jugendlichen nicht anderswo untergebracht werden?

„Es gibt in der Stadt genügend frei stehenden Wohnraum“, sagte Christina Buchheim, Landtagsabgeordnete (Die Linke) und Anwohnerin. Sie merkte an, dass den Jugendlichen mit Klepzig - weit ab vom Zentrum - kein Gefallen getan werde. „Ich habe keinen, der mir Wohnungen anbietet“, erklärte Peter Grimm. „Es gibt niemanden, der die Jugendlichen haben will.“ Mit Wohnungen allein sei es aber nicht getan. Auch Personal sei nötig. Dolmetscher, Pädagogen, Therapeuten. „Ich brauche Träger, die mir diese Voraussetzungen schaffen“, sagte der Jugendamtsleiter.

In welchem Teil der Schule werden sie leben?

Der linke und mittlere Teil des Gebäudes ist vorgesehen. Die Flüchtlinge sollen zu sechst in einer Wohnung leben, zwei teilen sich ein Zimmer. Sie haben damit mehr Privatsphäre als in der Rüsternbreite. Die Klepziger würden es befürworten, wenn die Jugendlichen den rechten Teil des Objekts nutzen. Mit Blick auf das Feld. Vom linken Teil aus - und das ärgert die Anwohner - könnten sie nämlich in ihre Gärten gucken.

Müssen Bewohner wegen der Flüchtlinge ausziehen?

„Nein“, sagte Ulrich Heller. Die Bewohner waren anderer Meinung. Ihnen sei gekündigt worden, monierten die Betroffenen lautstark. Der BVIK-Geschäftsführer sagte, dass einige die Wohnungen verwüstet hätten und deshalb ausziehen müssten.

Was bekommt der Objektbetreiber pro Person?

Zu den Finanzen wurde trotz Nachfrage der Anwohner nichts gesagt.

Wie soll sichergestellt werden, dass nichts passiert?

Die Anwohner hatten sich dazu konkrete Aussagen gewünscht. Sie merkten an, dass die Jugendlichen - wie deutsche Jugendliche auch - im Raufbold-Alter seien. Sie befürchten unter anderem, dass auf dem Friedhof nebenan randaliert werden könnte. „Das ist noch nicht vorgekommen und wird auch nicht vorkommen“, sagte Ulrich Heller. Über konkrete Maßnahmen zur Sicherheit wurde nicht gesprochen. Dass nichts passiert, dafür müsse der BVIK-Geschäftsführer sorgen, betonte Uwe Schulze.

Warum nimmt Köthen mehr junge Flüchtlinge auf als andere Altkreise?

Diese Frage interessierte Antje Beck. „Der Landkreis denkt nicht in Altkreis-Grenzen“, machte Peter Grimm deutlich. Er bekomme eine bestimmte Anzahl an Flüchtlingen zugewiesen, die auf Städte und Gemeinden verteilt werden müssten. Das sei nicht einfach. So dürften Jugendliche nicht mit Erwachsenen zusammen untergebracht werden. Plätze in Kinderheimen seien nötig, sagte er. Ulrich Heller habe sich angeboten.

In Köthen leben derzeit sechs minderjährige Flüchtlinge im Kinder- und Jugendheim „Arche“ der Jakobsgemeinde. Die Stiftung Evangelische Jugendhilfe St. Johannis Bernburg betreut elf Jugendliche in Bobbe und zehn in Köthen. Hinzu kommen die 35 jungen Flüchtlinge der BVIK. Im Landkreis werden Ende des Monats insgesamt 120 minderjährige Flüchtlinge leben. 20 weitere sollen im Herbst folgen. (mz)

– Quelle: http://www.mz-web.de/24290688 ©2017

24.06.2016

Viele Bürger hatten sich vor der Schule in Klepzig eingefunden.

Foto: Heiko Rebsch

Köthen -

Die Veranstaltung in Klepzig hinterlässt einen seltsamen Beigeschmack. Da waren - auf der einen Seite - überrumpelte Bürger. Da waren - auf der anderen Seite - fachkundige Mitarbeiter der Stadt und des Landkreises und nicht zuletzt Ulrich Heller als Projektverantwortlicher.

Die einen stellten Fragen. Auch welche, die mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun hatten und die Veranstaltung unnötig zerfaserten. Die anderen versuchten Fragen zu beantworten. Was durch Zwischenrufe der Bürger erschwert wurde.

Eines aber fehlte der Veranstaltung: klare Aussagen. Nicht bei jeder Antwort. Das muss an dieser Stelle auch gesagt werden. Viel zu oft aber wurde drumherum geredet. Um das Konzept zum Beispiel, das hinter der Unterkunft stehen soll. Das hätte doch - auch mit Hilfe einer Powerpoint-Präsentation - deutlich besser erläutert werden können. Ebenso die Frage zur Sicherheit. Es sei noch nichts passiert, die Bürger könnten sich sicher fühlen. Das reicht nicht.

Dass in Sachen Kommunikation in den zurückliegenden Wochen viel falsch gemacht wurde, zeigen die fragwürdigen Kommentare von Ulrich Heller bei Facebook, für die er sich nur nach mehrmaliger Aufforderung entschuldigte. Die Informationsveranstaltung hätte genutzt werden können, um bisher gemachte Fehler auszubügeln. Mehr noch. Sie hätte dafür genutzt werden müssen.

Die Autorin erreichen Sie unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

– Quelle: http://www.mz-web.de/24207092 ©2017

Autor:  Katrin Noack             

11.06.2016

Die alte Schule Klepzig liegt neben dem Friedhof.

Foto: Rebsch

Köthen -

Es schien, als sei am Donnerstag ganz Klepzig im Kreistagssitzungssaal in Köthen vertreten. Etwa 50 Anwohner waren gekommen und gut vorbereitet.

In der Einwohnerfragestunde, die in der Tagesordnung vorgesehen ist, dürfen die Bürger nur Fragen an das Gremium richten. Jeder nur eine. Also richteten die Klepziger einer nach dem anderen eine Frage an den Kreistag von Anhalt-Bitterfeld. Es ging nur um ein Thema: das geplante Kinder- und Jugendheim für die unbegleiteten minderjährigen Ausländer (Umas) in der früheren Schule in Klepzig.

Unterbringung für Umas

Das Gebäude in der Kirchstraße liegt am Stadtrand von Köthen neben einem Friedhof in einer Siedlung mit Einfamilienhäusern. Die Eigentümer des früheren Schulhauses sind Ulrich Heller und seine Frau.

Heller ist Geschäftsführer der Beschäftigungsgesellschaft BVIK, die sich im Auftrag des Landkreises um die Unterbringung der Umas kümmert. Derzeit noch im ehemaligen Gymnasium Rüsternbreite.

Da die Unterbringung dort befristet ist - das Gebäude wird als Ausweichquartier bei der Sanierung der Sekundarschule Völkerfreundschaft benötigt - sollen die minderjährigen Flüchtlinge nach Klepzig ziehen.

Anwohner besorgt und verängstigt

Die Anwohner haben davon erst Ende Mai aus der MZ erfahren. Sie sind verärgert und verunsichert. Dies machten sie im Kreistag deutlich. „Wir, die Klepziger, haben Sorgen und Ängste“, sagte Dirk Lasser, Vertreter der Anwohner. Er fragte Landrat Uwe Schulze (CDU): „Können Sie versichern, dass sich unsere Wohnqualität nicht verschlechtert?“ Andere Anwohner sorgten sich um die Einhaltung der Totenruhe auf dem Friedhof, wenn die Umas in die Schule einziehen.

Sie fürchten es könne „Remmidemmi“ geben

Anwohner sorgen sich um diese Anlage. Das haben sie im Kreistag mitgeteilt.

Foto: Noack

Eine Anwohnerin fürchtet, sie könne beim Friedhofsbesuch nicht mehr in Ruhe trauern. Die Klepziger sorgen sich um die Sicherheit in ihrem Quartier: Sie fürchten es könne „Remmidemmi“ und Schäden durch die Jugendlichen geben, etwa wenn Bälle vom Bolzplatz der Schule auf die Gräber fliegen.

„Ich kann ihnen nicht versichern, dass sich Ihre Wohnqualität nicht verschlechtern wird“, antwortete Schulze Lasser. Bei anderen Fragen etwa zum Baurecht verwies der Landrat an die Stadt Köthen, auf deren Gebiet gebaut werde.

Der Landkreis bestimme nur über die Unterbringung der Jugendlichen. Die Fragen dazu beantwortete Jugendamtsleiter Peter Grimm.

Er erklärte zum Beispiel, die Betreuung sehe für einen Jugendlichen in etwa einen Betreuer vor, der bestimmte Voraussetzungen erfüllen müsse.

Hintergrund: Beanstandungen bei Bau und Personal

In der ehemaligen Schule in Klepzig leben noch keine minderjährigen Flüchtlinge. Weil sich die Bauarbeiten verzögerten, plane er den Einzug für Mitte Juni, teilte Bauherr Ulrich Heller der MZ auf Nachfrage mit. Bei der Stadtverwaltung heißt es, der Eigentümer habe für die Umnutzung des Gebäudes noch nicht alle nötigen Unterlagen eingereicht. Die Schule war zuletzt Wohnhaus. Das Landesjugendamt habe die Betriebsgenehmigung für das Heim nicht erteilt, hieß es auf Nachfrage. Es fehle das nötige Personal und eine Bescheinigung des Bauordnungsamtes des Stadt. Derweil hat das Landesamt die Ausnahmegenehmigung für den Betrieb der Unterkunft in der Rüsternbreite bis 30. Juni verlängert.

Klepziger Bürger hatten die Umbauarbeiten an der Schule bereits am Dienstag im Hauptausschuss des Köthener Stadtrates bei der Einwohnerfragestunde thematisiert. Die Stadt, so Baudezernentin Ina Rauer, habe sich die Arbeiten am Objekt angesehen und unter anderem bauliche Eingriffe in die Statik des Hauses untersagt. „Ohne Auflagen“, so Rauer, „wird das Objekt nicht in Betrieb genommen.“ (kan/mb)

„Der Träger konnte bisher das notwendige Personal nicht nachweisen“

Daran scheitert bisher der Betrieb der Unterkunft. Die Genehmigung stellt das Landesjugendamt aus, das zum Landesverwaltungsamt in Halle gehört. „Der Träger konnte bisher das notwendige Personal nicht nachweisen“, informierte Pressesprecherin Denise Vopel auf Nachfrage.

Die Kosten der Unterbringung übernehme zunächst der Landkreis, stelle dies dann dem Land in Rechnung. Wie hoch diese Kosten für einen Jugendlichen sind, verhandelten Landkreis und Träger der Einrichtung - bei allen Jugendlichen.

Fehlende Transparenz des Vorhabens

Der Landrat machte den Klepziger im Kreistag aber ein Angebot: Er wolle Kontakt zur Stadt Köthen und zu Bauherr Ulrich Heller aufnehmen, um gemeinsam ein Gespräch mit den Anwohnern führen.

Der Bauherr könne sein Projekt vorstellen und die Klepziger könnten ihre Sorgen dazu schildern. Der Vorschlag wurde von mehreren Kreistagsmitgliedern unterstützt. Uwe Schönemann (FDP) der auch im Stadtrat Köthen sitzt, bemängelte die fehlende Transparenz bei dem Vorhaben seitens des Betreibers und der Stadtverwaltung.

Gibt es eine Alternative?

„Damit können wir zu einer gewissen Entspannung beitragen“, befürwortete er darum den Vorschlag. Monika Reinbothe (CDU) bot sich an, die Organisation für das Gespräch zu übernehmen.

Die Klepziger sind skeptisch, ob ein Gespräch Erfolg bringen wird. „Für mich gibt es nur die Alternative, dass die Jugendlichen nicht dorthin kommen“, betonte Dirk Lasser. Er glaube nicht, dass man mit dem Bauherren reden könne. (mz)